Unser Kirchlein "St. Johannes d. Täufer"



Das Taxölderner Kirchlein "St. Johannes d. Täufer" (Patrozinium: 24. Juni) liegt im Westen des Dorfes. Von Schwand kommend ist es weithin sichtbar, trägt zum schönen Ortsbild Taxölderns wesentlich mit bei und kann wohl als das einzige Wahrzeichen Taxölderns bezeichnet werden.

Das die Kirchenanlage umgebende mächtige und alte Gemäuer weist auf eine lange und bewegte Geschichte der Kirche und der unmittelbaren Umgebung hin.Das genaue Entstehungsjahr der Kirche ist unbekannt.Sehr wahrscheinlich wurde sie zunächst als Schlosskapelle errichtet, die zu dem unmittelbar südlich der heutigen Kirchenanlage gelegenen kurfürstlichen Jagdschloss gehörte. Ob bereits im Mittelalter zu Zeiten des Taxölderner Rittergeschlechtes der "Dahsholrer" eine Kapelle Teil einer kleinen Ritterburg war, kann nur vermutet werden.

Das Jagdschlösslein jedenfalls war bereits um das Jahr 1900 baufällig und wurde nach und nach bis zum Jahr 1904 abgerissen. Die Begrenzungsmauern an der Nord- und Westseite der Kirche sind die einzigen, heute noch erhaltenen Überreste der alten, zum Schloss gehörigen Mauern, die den engeren Schlossbezirk mit Schloss, Kapelle und Forstmeisterhaus (schräg gegenüber der Kirche, heute Anwesen J. Meier) umgaben.

Seit der mutmaßlichen Entstehungszeit ist ein halbes Jahrtausend vergangen. Die Schloßkapelle wurde viele Male umgebaut und renoviert. Trotz der Bemühungen zum Erhalt der Schloßkapelle nagte der Zahn der Jahrhunderte an Gebälk und Mauerwerk. Im Jahr 1739 wurde sie deshalb "generalüberholt" und umgebaut. Aus dieser Zeit stammen noch die uralten Bodenfliesen vor dem heutigen Altarraum.

Aufgrund der zahlreichen baulichen Veränderungen vermischten sich - wie in so vielen anderen Kirchen - auch in St. Johannes mehrere kunsthistorische Baustile.

Die Innenausstattung ist schlicht im spätbarocken bzw. im frühen Rokoko-Stil gehalten. Das Altarbild, gemalt von J.G. Menz aus Neunburg v. W., zeigt Herodes Antipas und dessen Schwägerin Herodias. Zu lesen ist: "Non licet tibi ...", was übersetzt heißt: "Es ist dir nicht erlaubt, (...)". An der Wand neben der Eingangstüre befindet sich auf der rechten Seite eine Kopie einer St. Wendelinsfigur aus dem 18. Jahrhundert. Das Original wird an sicherer Stelle aufbewahrt.

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St. Wendelin (Kopie), sowie Ausschnitte unseres Hauptaltares



Die Innenrenovierung 1989 förderte einige Wandfresken zu Tage. Es zeigte sich auch, dass das ursprüngliche Bodenniveau deutlich tiefer lag, so dass man früher in die alte mittelalterliche Schloßkapelle hinuntersteigen musste.

Um die Kirche herum befand sich in der mittelalterlichen Zeit der Friedhof, auf dem die "Hochwohlgeborenen" des Schlosses beerdigt wurden. Dies wurde eindrucksvoll durch zahlreiche Schädel- und Knochenfunde bei der Außenrenovierung 1974 belegt. Auch bei der Renovierung 1989 wurden Knochenreste gefunden. Vielleicht können sich noch einige freiwillige Helfer bei den Instandsetzungsarbeiten 1974 und 1989 daran erinnern.
Der Zwiebelturm befindet sich im Osten. Die neuen Turmuhren und die Elektrifizierung kamen erst in den 80er Jahren hinzu.
Hochinteressant sind die drei Glocken im alten Glockengestühl aus Eichenholz. Die große Glocke aus dem Jahr 1454 läutete mit Sicherheit schon in der "Urkapelle" zum Gebet.

Sie ist über einem Bogenfries mit folgender Inschrift versehen: da men celd m und in dem liiii iar (1454) da gos mich maiser (=Meister) herman. Die mittlere Glocke aus dem Jahr 1778 kam erst nach den größeren Umbauten des 18. Jahrhunderts hinzu. Sie zeigt folgende Inschrift: Anno 1778 goss mich Thomas Paendl in Amberg.
Die kleinste, spätgotische, Glocke ist ebenfalls mit einem Bogenfries verziert, jedoch ist sie ohne Bezeichnung.

Eine Besonderheit in der Kirche sind auch zwei in die Wand eingelassene Grabplatten. Die beiden Grabplatten sind noch ein sichtbares Zeichen der Tradition des Dorfes als Sitz königlicher Forstmeister. Vor allem das Forstleutegeschlecht der "von Sechsern" beherrschte über mehrere Jahrzehnte die Geschicke des Forstamtes zu Taxöldern. Einige der von Sechsern kamen zu großem Ansehen und erreichten die Landsassenfreiheit, erwarben Ländereien und Mühlen, so z. B. die Rauberweihermühle.


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Inschrift linke Grabplatte

Hier
Zunächst an dem Grabe
Seinner innigstgeliebten Mutter
Ruhet
Der hochedlgebohrne Herr, Franz Xaver Schmid,
Ehvor
k. b. Forstmeister zu Taxsöldern, Bruk, Kamb,
und Waldmünchen.
Zuletzt
Königl. b. wirklicher Oberförster zu Weiden.
Er starb -
Nach vollendeten 46ten Jahre seines ehelosen
Lebens und 19ten Jahre seines Staatsdienstes
den 22ten Septbr. 1808.
Von Jedermann _ vom Freund und Feind
Geschätzt _ betauert und beweint.
=======
Ein Biedermann des Stolzes Feind
Ein wahrer Krist, ein Menschenfreund
Der Armen Trost und Stab
Ruht hier in diesen Grab
Durch einen kristlich frommen Tod,
Stig sein verklärter Geist zu Gott,
Im seligen Verein
Sich seines Sohns zu freu´n.
R. I. P.

B.Grosser

Inschrift rechte Grabplatte

Dem seligen Angedenken
Meiner unvergeßlichen Mutter,
Der hochedlgebohrnen Frau,
Margaretha Hochenleitner,
Verwittibten königl. baieri. Forstmeisterinn,
Gebohrnen von Sechsern zu Taxsöldern,
Gattin dreyer Männer Mutter sechzehn Kinder,
welche
den 9ten Juli 1807
Nach vollendeten 75ten Jahre ihres Lebens
Ihre tugenliche Seele
In die Hände des Schöpfers,
Ihre sterbliche Hülle
Der Verwesung übergeben hat,
sey dieses geringe Denkmal
Kindlicher Liebe und Dankbarkeit
gewiedmet
Von ihrem tiefgebeugten Sohne
Fr. Xav. Schmid k.b. Oberförster in Weiden.

Wanderer
Verschone mich zu fragen,
Umständlich dir zu sagen,
Was die, die mich gebahr,
mir alles war;
Ach; ihres Herzens Gaben
In Marmorstein zu graben
Wär selbst der größte Stein
Noch viel zu klein. -

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Gedenktafeln für die Gefallenen und Vermissten des Ortes


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Die Mariengrotte in der kleinen Kapelle


Passend zur Kirche sind auch die Außenanlagen einfach gestaltet. Erst seit 1989 steht im Vorhof ein altes Holzkreuz, das anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Gartenbau- und Ortsverschönerungsvereines Taxöldern-Pingarten im Jahr 1989 renoviert und eingeweiht wurde. Daneben befindet sich eine kleine Grotten-Kapelle, in der auf Holzgedenktafeln den Opfern beider Weltkriege gedacht wird.

Die Taxölderner Kirche präsentiert sich heute nach den unlängst durchgeführten Innen- und Außenrenovierungen trotz der unspektakulären Innenausstattung als Schmuckstück des Dorfes. Dabei war es um den Erhaltungszustand der Kirche nicht immer so gut bestellt wie heutzutage. Im Januar des Jahres 1911 kamen in der Wohnung des Taxölderner Bürgermeisters Meiler aufgrund des baufälligen Aussehens der Kirche 11 Taxölderner Bürger zusammen, um die Gründung eines Kirchenbauvereines zu beschließen, der am 5. März 1911 mit Schreiben an das königliche Amtsgericht zu Neunburg in das Vereinsregister eingetragen wurde. Im Gemeindearchiv heißt es hierzu:


"Auf Anregung des hochwürdigen Herrn Koprators Kaiser zu Kemnath b. F. versammelten sich am 1. Januar 1911 in der Wohnung des Bürgermeisters Meiler 11 Gemeindebürger und gründeten einen Kirchenbauverein." 1. Vorsitzender und Kassier wurde Johann Heinfling, Schreinermeister in Taxöldern, 2. Vorsitzender Wolfgang Meiler, Bauer und Bürgermeister.
In den Statuten des Kirchenbau-Vereins St. Johann in Taxöldern steht unter § 1 Sinn und Zweck des Vereins: "Der Kirchenbauverein St. Johann in Taxöldern mit seinem Sitz in Taxöldern hat den Zweck Mittel beschaffen zu helfen, welche zur Erweiterung und Restaurierung der Filialkirche vonnöten sind."Doch blieben die Bemühungen Gelder zu beschaffen weitgehend erfolglos, wie der marode Zustand von Kirche, Kirchenmauer und Außenanlagen in den 30er Jahren und auch noch nach dem 2. Weltkrieg belegen. So wurde es aufgrund mangelnder "Spendenwilligkeit" der armen Taxölderner Bevölkerung auch um den Kirchenbauverein schon nach wenigen Jahren wieder still.
Der Taxölderner Friedhof wurde erst 1929/30 nach fast 30jährigem Bemühen als gemeindlicher Friedhof errichtet. Bis dahin wurden die Verstorbenen im Fuhrner Friedhof bestattet. Der Weg dorthin über den Hirschberg im Johannesschlag heißt bis heute "Totenweg", weil die Toten auf diesem Wege mit dem Leichenwagen nach Fuhrn gebracht wurden. Der etwas steilere "Kirchweg" Richtung Fuhrn führte hingegen über den Eicherlberg und wurde aufgrund des beschwerlichen Anstieges vor allem von der jüngeren Generation genutzt (Alter Fuhrner Weg).
Der Taxölderner Friedhof liegt schön gelegen am Waldrand zwischen dem Dorf und dem Höcherhof. Man erreicht ihn von der Kirche nach fünf Minuten Fußweg. Dabei führt der Hirschbergweg vorbei am sogenannten "Hofgarten", von wo aus man einen herrlichen Blick über die Weiherlandschaften der Bodenwöhrer Senke genießen kann. Der Hofgarten gehörte früher zum adeligen Edelsitz. Ebenso gehörten zum Schlossgut früher Ländereien, so zum Beispiel die sogenannten "Schlossäcker" zwischen Kirche und Höcherhof und in der Ziegelzell, aber auch Wald ("Kapellenholz") und feuchte Wiesen beim Turesbach ("Kirchenwiesen").
Die Kirchengemeinde Taxöldern gehört heute zur Pfarrei Kemnath bei Fuhrn des Dekanats Neunburg v. W.



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Die Taxölderner Ministranten 2001
v. l. Simone Schwarz, Stefanie Stamm, Andreas Licha, Christian Winter, Sandra Gleixner,
Stefanie Winter, Anja Ziegler, Sebastian Licha, Marina Wild, Ines Ziegler, Sabrina Faderl;
dahinter: Pfarrer Walter Hofmann, Mesner Harald Seidl und Organist Otto Brickl

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Die Taxölderner Ministranten 2006


Die Geistlichen der Pfarrei Kemnath bei Fuhrn:

?-1483 Ulrich Hacker (alias Carnifex)
1483-1491 Georg Hauzenberger
?-1527 Englhard Zängl
1527-1528 Michael Härtl
1528-1529 Michael Behamb
1529-? Andreas Döring
1549-? Sigmund Springenklee
1557 Hieronymus Seum

Lutherische Pfarrer
Wizelius Thomas Klemmer
Constantin Vitus Scherl
1604 Johann Popp
1610-1614 Johann Tucher
1614-1626 Johann Christian Reinhart
1627 Sebastian Gleissenberger

1637-1654 zu Schwarzhofen
1654-1672 zu Penting
1674 Johann Michael Dunkhl
1678-1681 Georg Fischer
1682-1695 Michael Streidl
1695-1713 Johann Michael Sechser
1713-1722 Johann Martin Rickhl
1722-1741 Lorenz Miller
1742-1749 Philipp Heinrich Anton Faber
1749-1772 Franz Joseph Faber
1772-1775 Johann Michael Bodensteiner
1775-1791 Franz Joseph Winter
1791-1805 Johann Georg Wendl
1805-1818 Johann Martin Job
1818-1841 Michael Wildner
1841-1850 Leonhard Rauch
1850-1862 Johann Baptist Haas
1862-1876 Weiss Michael
1876-1893 Pongratz Stephan
1893-1902 Staudinger Jakob
1902-1934 Brickl Franz Xaver
1934-1960 Joseph Fink
1960-1977 Adolf Böckl
1977-1991 Max Glöckl
1991- ad multos annos Walter Hofmann


Liste der Exponierten Kooperatoren (Expositi) in Fuhrn
1913-1918 Franz Schelhorn
1918-1930 Anton Stettmeier
1930-1941 Georg Kneißl
1942 Joseph Busl
1945-1953 Heinrich Dotter
1953-1962 Franz Irsiegler
1962-1977 Max Glöckl (seit 1977 Pfarrer in Kemnath)

Die Expositi hielten die Gottesdienste für die Taxölderner Gläubigen. Sonntagsgottesdienste wurden bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts regelmäßig in Fuhrn abgehalten. In Taxöldern wurde nur alle vier Wochen einmal an einem Sonntag die heilige Messe gelesen. Ab den 50er Jahren erreichten die Taxölderner durch zähes und beharrliches Bitten beim Ordinariat einen zweiten Sonntagsgottesdienst im Monat. Und schließlich erst unter Pfarrer Max Glöckl wurde der regelmäßige, wöchentliche Sonntagsgottesdienst und einmal in der Woche ein "Werktagsgottesdienst" eingeführt. Diese "Gottesdienstordnung" hat im wesentlichen bis heute Gültigkeit. Erst mit Einführung der regelmäßigen Sonntagsgottesdienste in Taxöldern in den 60er Jahren gehörten die mühsamen, allsonntäglichen Kirchgänge über den Hirschberg nach Fuhrn der Vergangenheit an.


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Tradition in Taxöldern: Ministranten beim "Eierratschen"
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Der Kirchenschmuck zum Erntedankfest


Historisch Interessantes aus dem Beschlussbuch der Kirchenverwaltung:

Im Jahr 1905
"In heutiger Kirchenverwaltungssitzung wurde beschlossen, das Angebot des Spitalbenefiziums Neunburg v. W. vertreten durch den Verweser dieses Benefiziums, Herrn Stadtpfarrer Heinrich Hellberg in Neunburg v. W. auf Ablösung der Bengepflicht des Spitalbenefiziums Neunburg v. W. im Pfarrsprengel Kemnath b. F. nach dem Vertragsentwurf vom 16. Juni 1904 anzunehmen, demgemäss das Spitalbenefizium Neunburg v. W. das 20fache der jährlichen Zehentrate aus 148Fl 38 1/2 Pf oder 254 M 82 Pf. im Betrage zu 8 M 49.4 Pf erhält. Mithin als Ablösungskapital 169,88 M auf eine Jahresrate 1904 zu 8,50 M, also in Summe 178,38 M bezahlt u. auch für die Kosten der notariellen Verlautbarung. Dagegeben verzichtet die Kirchenverwaltung Taxöldern für alle Zeiten auf jede Inanspruchnahme einer wie immer Namen habenden Baupflicht des Spitalbenefiziums Neunburg v. W. bezüglich aller im Pfarrsprengel dieselben dem Spitalbenefizium gegenüber überhaupt bauberechtigt erscheinen. Als Bevollmächtigter für die notarielle Verlautbarung des Ablösungsvertrages wird aufgestellt: Brickl, Pfarrer in Kemnath b. Fuhrn

Taxöldern, 29. Januar 1905
Kirchenverwaltung Taxöldern
Brickl, Pfr.
Gg. Heinfling
Michl Kummetsteiner
Johann Schiesl


In heutiger Versammlung der Kirchengemeinde Taxöldern, zu welcher alle Mitglieder, also 38 ordnungsgemäß geladen waren u. zu welcher 29 erschienen sind, wurde einstimmig beschlossen, sich dem Beschlusse der Kirchenverwaltung Taxöldern vom 29. Januar 1905 betreffend die Ablösung der Zehentbaupflicht des Spitalbenefiziums Neunburg v. W. im Pfarrsprengel Kemnath b. F. voll und ganz anzuschließen u. ebenfalls Pfarrer Brickl in Kemnath als Vertreter für die notarielle Verlautbarung des Ablösungsvertrages aufzustellen.

Taxöldern, 29. Januar 1905
Kirchengemeinde Taxöldern
für die Kirchengemeinde:
Brickl, Pfr.
Steinherr
Frey
Hartl"



"In heutiger Sitzung wurde beschlossen, den früheren Kirchenpfleger Johann Heinfling als solchen wieder zu wählen u. die Kirchenwiesen wegen Entwertung des Geldes neuerdings zu versteigern. Der Betrag für die Kirche wurde rückwirkend für 1922 auf 100 M festgesetzt.

Taxöldern, den 27. Dez. 1922
Kirchenverwaltung Taxöldern
Johann Heinfling, Josef Heinfling
Johann Lang, Michl Weiherer, Michl Beer"

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Die alte mechanische Orgel


Unser Kirchlein wurde in den Jahren 2005-2006 mit vielen fleißigen Helfern gründlich renoviert (siehe dazu auch die Bildergalerie). Die Kirchenverwaltung sagt allen, die sich daran beteiligt haben, ein herzliches "Vergelt's Gott" !

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