Kirchweih in Taxöldern ("d' Kroua-Kirwa")

Die alljährlich am Pfingstmontag und -dienstag gefeierte Kirchweih ist das wohl traditionsreichste und bekannteste Taxölderner gesellschaftliche Ereignis. Es verbindet auf noch "urbayerische" Weise das religiöse Fest des Patroziniums mit weltlichen Sinnesfreuden. Über die genauen Hintergründe, warum man in Taxöldern jedoch die Kirchweih an Pfingsten und nicht an Johanni am 24. Juni, also dem eigentlichen Patroziniumstag der Kirche St. Johannes d. T. feiert, ist nichts näheres bekannt. Jedenfalls wurde früher auch des Pfingstfest als kirchliches Hochfest mit Einsetzung des Allerheiligsten groß gefeiert.
Nach neuesten geschichtlichen Forschungen (P. Wallinger) ist schon im Jahr 1551 eine Taverne in Taxöldern urkundlich nachgewiesen. Anlässlich der Erhebungen zur Matrikel des Bistums Regensburg meldete Pfarrer J. Haas am 25. April 1860 bezüglich der Nebenkirche Taxöldern: "Die Kirchweihen in der Pfarrgemeinde dauerten gewöhnlich zwei Tage. An den zwei Tagen sei Tanzmusik, die erst nach dem Nachmittagsgottesdienst beginne."
Damit kann man sicher sagen, dass schon seit rund 150 Jahren in Taxöldern die Kirchweih mit einem größeren weltlichen Fest gefeiert wird. Zur Zeit des "Eselwirtes" (Faderl) in Taxöldern in den 50er Jahren wurde die Kirwa sogar in zwei Wirtshäusern am Ort gefeiert.


Alle Jahre wieder kommen Hunderte aus nah und fern, Einheimische und Feriengäste, um im weit über das Dorf hinaus bekannten Gasthof Hartl kulinarische Spezialitäten wie echte hausgemachte "Küchl" oder "gebackenen Karpfen" zu genießen. Das Schönste am Ereignis ist wohl die Unverfälschtheit ohne jeglichen Kitsch. Es handelt sich noch um eine echte Dorfkirchweih wie anno dazumal - einfach, aber gut.

Und seit Menschengedenken kündigt sich das Geschehen schon einige Tage vor Pfingsten mit dem immer gleichen Prozedere an, was auch die Vorfreude der Bevölkerung - insbesondere der Kinder, deren Pfingstferien mit der Kirchweih beginnen - erwartungsvoll stimuliert. So hört man bereits einige Tage vor der Kirchweih wohl im ganzen Dorf noch das letzte Wehklagen der einen oder anderen Sau, denn schließlich wird zur Kirchweih die Speisekarte erweitert und dem Ansturm der hungrigen Besucher wollen die Wirtsleute gewachsen sein.

Dann, am Pfingstmontag ist es soweit: In der Nachkriegszeit umrahmte die Blaskapelle noch die morgendliche Messfeier. Später dann spielte die Musik erst beim traditionellen "Frühschoppen" auf, zu dem der noch allseits bekannte Pfarrer Glöckl einlud. Heute beginnen pünktlich nachmittags um zwei Uhr die Wackersdorfer Musikanten den inzwischen klassischen "Blasmusiksound" zu intonieren. Sie spielen schon seit 1959 in Taxöldern. Tummeln sich am ersten Tag, dem Pfingstmontag, noch viele Zugereiste und Urlauber im Hof, so gehört nach althergebrachter Sitte der Nachkirchweihtag (Pfingstdienstag), an dem am Abend auch nochmals die Blasmusik spielt, den Einheimischen. Man trifft sich zum geselligen Beisammensein und einem kleinen Ratsch und Gedankenaustausch über die aktuellen Geschehnisse im Dorf.

Ja, und dann gab es da auch alljährlich ein gewisses "Rahmenprogramm". Sicherlich werden sich noch viele daran erinnern, wie es in Taxöldern beim alten Gemeindehaus ein Kirchweih-Torwandschießen gab. Groß war die Freude, wenn ein Einheimischer einen, der von den Honoratioren gestifteten Pokale gewinnen konnte. Ein Schieß- oder Losstand und natürlich der Eiswagen von "Käthi Jehl, Fischbach", dürfen auch nicht fehlen. In der Nachkriegszeit sorgte ein Bockstechen für Abwechslung.
Früher wurde auch ein "Kirwabaum" aufgestellt, um den die feschen Kirwamoidln und Kirwaboam tanzten. Auch gingen die Feierlichkeiten bis in den nächsten Tag hinein. Die Musik spielte die halbe Nacht hindurch. Nicht selten gab es auch eine kleine Keilerei.
Ganz so wild geht es heute natürlich nicht mehr zu. Die alten Gebräuche sind weitgehend abhanden gekommen. So ist auch das immer wieder schöne Torwandschießen bereits Vergangenheit und ein Kirwabaum wird heute nicht mehr aufgestellt. Der Kirwatanz wurde mit der Einführung der neuzeitlichen "Sommerzeitregelung" eingestellt. Ebenso wird heute nicht mehr - wie noch vor einigen Jahrzehnten am Nachkirchweihtag üblich - mit der Blaskapelle von Haus zu Haus gezogen und um Küchl gebettelt.

Dennoch ist es gut, dass sich dank des Einsatzes der Familie Hartl ein Fest, wie die Taxölderner Pfingstkirwa, nun schon über viele Jahrzehnte als typische Dorfkirchweih erhalten hat. Die Taxölderner können nur hoffen, dass dies noch lange so bleibt.

Bleiben noch zwei Fragen zu erläutern: wie war und wird das Kirchweihwetter und wie kam es zum Begriff "Kroua-Kirwa" ?
Zunächst zum Wetter: Da unter freiem Himmel gefeiert wird, liegt jedes Jahr aufs Neue Spannung in der Luft: wie wird wohl das Wetter heuer werden? Die Wirtsfamilie Hartl zittert dabei verständlicherweise am meisten. Nicht selten gab es in der Pfingstzeit, die ja jährlich zwischen Mai und Juni schwankt, drückende Schwüle und Gewitter. Zum Frühschoppen und zum Mittagessen hat es - zumindest kommt es den alteingesessenen Taxöldernern so vor - meistens ausgehalten, wohingegen es am Nachmittag des Pfingstmontags nicht selten regnete, so dass man vor den geöffneten Schleusen des Himmels in das Gastzimmer oder den Saal des Wirtshauses flüchten musste. Aber - es gibt ja auch noch die Nachkirchweih am "Pfingstdienstag" - und da wurde das Wetter meistens besser. Glücklicherweise ist man seit einigen Jahren von der Witterung etwas unabhängiger, weil der Wirtsstodl entsprechend hergerichtet wurde.


Warum "Kroua-Kirwa"? Ein "Kroua" (umgangssprachlich) ist eine Krähe. Früher wurde die Taxölderner Kirwa von den Einwohnern der umliegenden Dörfer etwas spöttisch als "Kroua-Kirwa" bezeichnet. Zur Pfingstkirchweihzeit werden nämlich gerade die jungen Krähen flügge. Die noch ungeschickten jungen Krähen waren leicht zu jagen und aus den Nestern auszunehmen. Die einfache, ärmere Bevölkerung (Häusler) setzte die gebratenen, jungen Krähen der zur Kirchweih eingeladenen Verwandtschaft als "Hähnchenersatz" am Mittagstisch vor. Die Älteren können sich wohl auch noch daran erinnern, wie der "Kroua" hergerichtet und zubereitet wurde. Dabei wurden die getöteten jungen "Kroua" mit einem Federkiel aufgeblasen und ihnen sodann die Haut abgezogen. Anschließend wurden sie im Backrohr gebraten, wobei dies nicht zulange geschehen durfte, weil sie ansonsten fürchterlich zäh wurden.