Grüß Gott in Taxöldern

Forst und Jagd

Kiefernwälder und Weiher sind die charakteristischen Landschaftselemente der Taxölderner Gegend. Der Wald- und Wasserreichtum musste zwangsläufig zu einer langen, über Jahrhunderte andauernden forstlichen und jagdlichen Tradition führen.

So ließen sich schon früh Ritter und Adelige des Wildreichtums wegen in Taxöldern nieder, um ihrem Hobby, der Jagd, zu frönen. Ein kleines Jagdschlösschen wurde errichtet. Es verfiel nach der Zeit des Absolutismus und um das Jahr 1900 wurden die letzten Ruinen abgerissen.
In der Zeit des Kurfürsten Albrecht (*1697, +1745) - er wurde 1726 Kurfürst von Bayern und 1742 deutscher Kaiser - wurde neben zwei weiteren Jagdhäusern auch zwischen Altenschwand und Taxöldern ein luxuriös ausgestattetes Jagdhaus mit Speisesälen, Übernachtungsräumen für Jagdherren und Gesinde sowie Stallungen errichtet. Aus dieser Zeit wird berichtet, dass zwischen Taxöldern, Bodenwöhr, Bruck und Neubäu große kurfürstliche Jagden auf Hirsche, Sauen und Auerwild stattfanden. Dabei mussten die Dorfbewohner ringsum als Gehilfen die Wege ausleuchten, die Pferde füttern, und das erlegte Wild ausnehmen. Bis zu 1400 Mann waren bei den feudalen Treibjagden in unseren Wäldern im Einsatz. Die "Jagdhütten" des Kurfürsten Albrecht wurden etwa im Jahr 1744 von österreichischen Pandurenhorden der Kaiserin Maria Theresia ausgeplündert und dem Erdboden gleichgemacht.

Die Folge des Wildreichtums waren allerdings auch zahlreiche umherstreifende Wolfsrudel und Bären in unserer Gegend. So wurden im 30-jährigen Krieg viele Kinder, die das Vieh im Wald hüteten, Opfer großer Wolfsrudel (BLAAB). In dieser Zeit wurden nicht weniger als 215 Wölfe im gesamten Brucker Forst geschossen. Die letzten Wölfe der Oberpfalz wurden in unserer Gegend 1826, 1853 und 1882 erlegt. Die Bären wurden aber schon um das Jahr 1700 ausgerottet. Die Bekämpfung des Raubwildes und die gleichzeitige Hege von Rehen, Hirschen und Wildschweinen führte zu großen Wildschäden an landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Nicht verwunderlich ist angesichts des Wald- und Wildreichtums, dass die Siedlung am Fuße des Eicherlberges auch nach einem Waldtier, dem Dachs, benannt wurde. Die Ortschaft bei den "Dachshöhlen" hatte auch innerhalb der Forstpartie lange Zeit einen Namen. Zwar waren die Forstknechte (frühere Bezeichnung für Förster) und Forstmeister (frühere Bezeichnung für Forstamtsleiter) zwar meist nicht gerade glücklich über eine Versetzung an das Forstamt bzw. die Forstdienststelle im abseits gelegenen Taxöldern. Dennoch konnten sie hier ihrer forstlichen und jagdlichen Passion voll nachgehen. Die Liste der Taxölderner Forstleute spricht für eine lange forstliche Tradition in Taxöldern.

Folgende Forstmeister leiteten das Forstamt in Taxöldern 1626-1900:

1626-1629:Hans G. Springler
1629-1630:Michl Mohrer
1630-1636:Ulrich Welser von Stepperg
1636-1654:Pfleger von Neunburg: L. Aichler, Veit Hölzl, Stef. Huber, U. Seitz
1654-1684:Bartholomäus von Sechser
1684-1686:Hans Ludw. Danhauser
1687-1701:Simon von Sechser
1701-1742:Salomon von Sechser
1742-1743:J. Kandler (entleibt)
1743-1747:Joh. Georg Günther (Schwiegersohn des Salomon von Sechser)
1747-1753:J.B. Höfler (Schwiegersohn des j.G. Günther)
1753-1760:Josef Schmid (Schwiegersohn des J.B. Höfler)
1760-1793:J.B. Hohenleitner (Schwiegersohn des J. Schmid)
1793-1803:Xaver Schmidt

1803 wird das Forstamt aufgelöst und mit Bruck vereinigt. Bis dahin gehörten auch die Reviere Penting und Roding zum Forstamt Taxöldern.
Taxöldern bleibt ab 1803 als Forstdienststelle bestehen.

1803-1808:Karl Gaucheroll Devigneux
1808-1824:Theodor Fürst
1824-1828:Joh. Chr. Spindler
1828-1833:Michl Fischer
1833-1844:Georg Senft

1844 wird der Sitz der Forstdienststelle nach Bodenwöhr verlegt. Ab 1844 gehört Taxöldern somit forstlich zu Bodenwöhr.
Revierförster:
1844-1853:Arnold v. Link
1853-1856:Alois Winklbauer
1856-1868:Franz Xaver Ritter und Edler von Paur
1868:S. Schmidschneider
1868-1871:Ludwig Bram
1871-1900:Hans von Hötzendorff

Ab 1885 existiert nach einer Forstreform das neue Forstamt Bodenwöhr. Der Forstmeister H. v. Hötzendorff wirkte bis 1885 in Taxöldern (Forstdienststelle Bodenwöhr II) und ab 1885 dann als Forstmeister am Forstamt Bodenwöhr.

Bodenwöhrer Forstmeister
1900-1922:Heinrich Leitschuh
1923-1927:Johann Götz
1927-1938:Heinrich Herrmann
1939-1949:Ernst Brem
1949-1955:Kurt Thielmann
1950-1954:Fm. Blasy
1954-1978:Hubert Brendel
1978-1988:Werner Bierstedt
1989-2001:Johann Hörteis


Auffallend bei der Aufzählung aus dem 17./18. Jahrhundert ist die Tatsache, dass das Forstmeisteramt von Generation zu Generation weitervererbt wurde. So waren die meisten Taxölderner Forstleute Nachfahren des berühmten Forstleutegeschlechtes der "von Sechser", die auch im Besitz größerer Ländereien, u. a. auch der Rauberweihermühle, waren. Von der großen Taxölderner Forsttradition ist jedoch nicht viel geblieben. Lediglich das alte Forstamtsgebäude aus dem 17. Jahrhundert steht noch schräg gegenüber der Kirche (Anwesen Meier).
Dabei prägen Wald und Weiher bis heute das Land mehr als die landwirtschaftlichen Fluren. Die Zahlen der "Bodennutzungserhebung" hierzu aus dem Jahr 1951 der Gemeinde Taxöldern sprechen für sich:
insgesamt: 827,89 ha Wirtschaftsland, davon
-217,37 ha Acker einschl. Gemüse etc.
-2,46 ha Hau-/Kleingärten
-7,54 ha Obstanlagen
-169,36 ha Wiesen
-3,4 ha Streuwiesen
-2,31 ha Viehweiden
-315,95 ha Wald
-1,31 ha rekultivierte Moorflächen
-24,80 ha Ödland, Unland
-11,66 ha Wege
-68,85 ha Gewässer
-7,42 ha Gebäude/Hofflächen
-Rest: sonstige Flächen

Noch einmal tauchte in jüngster Vergangenheit der Taxölderner Forst sogar in der überregionalen Presse auf, jedoch in anderem Zusammenhang. Als im Westlichen Taxölderner Forst die Rodungsarbeiten für die geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage 1985/86 begannen, taten sich viele Reporter und Zugereiste mit dem "komischen" Namen mit dem "x" in der Mitte bisweilen schwer. Aus Taxöldern wurde schon mal "Taxöllern" oder "Taxölden". Zu jener Zeit gab es an die Dutzend Schreibweisen. Geblieben ist heute ein großes Industriegebiet, das den Namen "WTF" (=Westlicher Taxölderner Forst) trägt. Das lange Zeit ausmärkische, d. h., gemeindefreie Gebiet ist mittlerweile großteils in das Gemeindegebiet Wackersdorf eingegliedert.

Noch bis in die 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts bestand die Forstdienststelle in Taxöldern. Der letzte Taxölderner Revierförster war Richard Roidl (*1922, +1994). Einer seiner Vorgänger war der den Älteren wohl noch bekannte Förster Zierl. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es des Forstes wegen nicht nur viele auswärtige Forstleute in unsere Gegend verschlug. Der Forst war auch eine wichtige Einkommens- und damit Lebensquelle für die Einheimischen. Noch vor gut hundert Jahren gab es in Taxöldern 17 (!) Waldarbeiter. Das bedeutet, dass 17 Familien aus Taxöldern von der "Holzhauerei" lebten.

Die Taxölderner Waldarbeiter 1889
Martin Kiener, Rottenmeister 2 1/2
Johann Graf 15
Josef Gruber 12 1/3
Michl Kummetsteiner 13
Johann Fischer 14
Michl Fischer, Sohn des Joh. Fischer
Johann Heinfling 5
Michl Wallner 21
Josef Burkes 19
Nickl. Bauer 12
Josef Drexler (Austrägler) 11
Andreas Fleischmann 12 1/4
Christof Beer 17
Adam Schwarz 16
Adam Hofbauer 22 1/2
Adam Pöll (Pingarten) 10
Josef Pöll, Sohn des A. Pöll


Noch 1960 waren es neun Waldarbeiter. Und heute gibt es keinen einzigen Taxölderner Waldarbeiter (jetzt: Forstwirt) mehr. Die letzten ihrer Zunft waren Josef Heinfling, Johann Ederer und Otto Brickl.
Die alte Forstdienststelle gegenüber dem heutigen Gemeindehaus ist mittlerweile in privater Hand, renoviert und als Ferienhaus/Pension umgebaut.
Die Nachfolge des letzten Taxölderner Revierförsters Richard Roidl trat in den 80er Jahren Rudi Prebeck an. Der Sitz der Forstdienststelle wurde von Taxöldern nach Wackersdorf verlegt.
Der Wald rings um Taxöldern wird nach einer neuerlichen Umorganisation in der Forstverwaltung seit einigen Jahren vom Revier Altenschwand von Förster Josef Pöppl betreut. Für die Privatwaldbesitzer ist heute die Forstdienststelle Bodenwöhr, vormals Nittenau, zuständig.
Am 30. April 2001 endete die mehrhundertjährige Forsttradition Taxölderns und Bodenwöhrs mit der Auflösung des Forstamtes Bodenwöhr. Der Staatswald wird jetzt vom Forstamt Neunburg vorm Wald, der Privatwald vom Forstamt Burglengenfeld, Forstdienststelle Bodenwöhr, betreut.



Staatsjagd und Jagdgenossenschaft Taxöldern

Forst und Jagd gehörten über Jahrhunderte zusammen. Die forstliche Tradition ist eng mit der Jagd verbunden, waren doch früher die Förster i. d. R. auch gleichzeitig die Jäger.
Die weiten Wälder garantierten für Wildreichtum. Taxöldern war in der Geschichte vor allem wegen seiner Hirsche, Rehe, Wildschweine und bis in das letzte Jahrhundert hinein wegen des hier vorkommenden Auerwildes bekannt.
Die jagdliche Organisation ist heute zweigeteilt. In den Staatsforsten jagen Forstbeamte. Die Privatflächen rings um das Dorf sind als "Jagdgenossenschaft Taxöldern" zusammengefasst. Diese Flächen werden von privaten "Revierinhabern" bejagt.
Die Staatsjagd beschränkt sich fast ausschließlich auf den westlich und südlich von Taxöldern gelegenen Staatsforst. Die Wälder im Westen und Süden (Brand, Johannesschlag, Kuhlohe, Kapellenholz, Bauernschlag, Wurzinger Berg, Brennweg, Moosfurtner, Lackenweiher, Windhau, um nur einige Waldabteilungen zu nennen) gehören zu den Staatsjagdrevieren Altenschwand und Postlohe.


Jagdgenossenschaft

Bis 1950 wurde die Jagd noch durch die Gemeinde als Treuhänder verwaltet. Am 15. Dezember 1949 wurde das neue Jagdgesetz erlassen. Gemäß Artikel 8 des Gesetzes waren ab 1. Februar 1950 Jagdgenossenschaften zu gründen. Diese hatten einen Jagdausschuss zu wählen, aus dessen Mitte wiederum ein Jagdvorsteher zu wählen war.
In Taxöldern wurde 1950 Johann Haberl aus Pingarten zum ersten Jagdvorsteher des Taxölderner Genossenschaftsjagdreviers gewählt. Er wurde bis zur Hofübergabe 1979 durch Wahlen in seinem Ehrenamt bestätigt. Seit 1979 ist Johann Lang aus Taxöldern Jagdvorsteher.
Bei der Gründung der Jagdgenossenschaft Taxöldern waren es 60 Grundeigentümer (Jagdgenossen), heute sind es bereits 128. Die Jagdvorsteherstellvertreter wechselten mehrmals:

1950-1965: Johann Seebauer, Pingarten
1965-1974: Michael Bollinger, Turesbach
1974-1979: Michael Wild, Taxöldern
1979-1989: Georg Köppl sen., Pingarten
seit 1989: Georg Köppl jun., Pingarten.

Das vertrauensvolle Amt des Kassiers wird seit langem von drei Personen ausgeübt: Georg Groll jun., Johann Ederer und derzeit Josef Mehrl.
Jagdpächter des Taxölderner Genossenschaftsjagdreviers sind Georg Groll (seit 1968), Herbert Krauthann und Günter Fleischmann.
Das Taxölderner Revier umfaßt heute mit einer Größe von rund 900 Hektar im wesentlichen die Gemarkung Taxöldern und den westlichen Teil der Gemarkung Erzhäuser.
Am 1. April 1968 wurde eine Jagdabrundung mit dem Forstamt Bodenwöhr durchgeführt. Die Staatswaldabteilung "Rosenberg" (Richtung Turesbach) wurde dem Taxölderner Revier angegliedert, Bereiche am Schwandner Weg/Schwandner Draht (385,91 ha) kamen zum Staatsjagdrevier Altenschwand.
Im Zuge einer früheren Abrundung wurde die alte Straße von Bodenwöhr nach Erzhäuser als östliche Grenze des Taxölderner Jagdreviers bestimmt.
In dem unter Jägern bekannten Revier mit rund 50 % Waldanteil sowie 50 % land- und teichwirtschaftlichen Flächen wird heute auf Niederwild (überwiegend: Rehwild, Fuchs, Wildente, Hase, Fasan, ...) und Schwarzwild gejagt